Prävention beginnt im Kindergarten – Bundesdrogenbeauftragte zu Besuch in Au bei Bad Feilnbach

Kindern Stärke und Selbstbewusstsein mit auf den Lebensweg zu geben, ist eine der wertvollsten Investitionen in die Zukunft, die wir als Gesellschaft tun können. Das Präventionsprogramm FREUNDE, das von der Aktion Jugendschutz Bayern getragen wird und im Chiemgau entstanden ist, hat sich dieser Aufgabe verschrieben. Es stärkt die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern in einem Alter, das richtungsweisend ist für die nächsten Jahre.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und Wahlkreisabgeordnete für Stadt und Landkreis Rosenheim, Daniela Ludwig, ist Schirmherrin dieses Programms. In dieser Eigenschaft besuchte sie den Kindergarten St. Martin in Bad Feilnbach, der das Programm vorbildlich umsetzt.

„Im Kindergartenalter sind Kinder in einer ihrer wissbegierigsten Phasen. Sie bereiten sich spielerisch auf das Leben vor. FREUNDE fördert die Kompetenzen von Kindern, bei der Stärkung des Selbstvertrauens und der emotionalen Kompetenz, beim Umgang mit Stress und der Entwicklung einer vernünftigen Streitkultur“, sagt die Leiterin des Kindergartens, Anja Bayer.

Daniela Ludwig bestätigt das: „Kinder sollen zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen, die später Verantwortung für sich und andere übernehmen. Ich unterstütze dieses Programm, weil es wegweisend ist u.a für eine nachhaltige Drogenprävention. Kinder, die in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt werden, sagen auch Nein zu Drogen und ersparen sich und anderen einen langen Leidensweg.“Das Programm begann 1998 als Initiative rotarischer Clubs im Chiemgau. Vorangetrieben wurde es ganz besonders vom heutigen Vorsitzenden des Stiftungsrates Klaus-Michael Koch. Um eine hohe fachliche Qualität zu gewährleisten wurde die inhaltliche Umsetzung an die Aktion Jugendschutz Bayern übertragen. FREUNDE bietet ein standardisiertes Fortbildungsprogramm für pädagogisches Fachpersonal. Von der Landeszentrale für Gesundheit und dem Bayerischen Gesundheitsministerium wurde das Programm 2009 unter 58 Bewerbern für den bayerischen Gesundheits- und Präventionspreis ausgewählt. Diese Auszeichnung wird für hervorragende Leistungen und innovative Ideen in Gesundheitsförderung und Prävention in Bayern vergeben.

Der Bad Feilnbacher Kindergarten hat das Programm in seine tägliche pädagogische Arbeit voll integriert. „Mein Team trägt das voll mit, weil wir die uns anvertrauten Kinder zu starken, lebenskompetenten Persönlichkeiten erziehen wollen“, berichtet Anja Bayer weiter.

Daniela Ludwig, die selbst Mutter von zwei Kindern ist, setzt einen besonderen Arbeitsschwerpunkt auf die Präventionsarbeit. „Ich habe als Drogenbeauftragte mit vielen Abhängigen zu tun, die schon sehr früh den Weg in die Sucht gegangen sind und jetzt nur schwer zurück in ein selbstbestimmtes Leben finden. Rechtzeitiges Handeln ist einer der wesentlichen Bausteine der Drogenpolitik. Daher wünsche ich mir, dass noch viele weitere Kindergärten dem Beispiel aus Bad Feilnbach folgen, so Ludwig.“

Foto: Von links nach rechts: Anja Bayer (Leiterin des Kindergartens), Klaus-Michael Koch (Vors. Des Stiftungsrates FREUNDE), Daniela Ludwig (Drogenbeauftragte des Bundesregierung und Schirmherrin), Angelika von Eicken (Mitglied des Stiftungsrates), Olivia Rinz (Fachkoordinatorin FREUNDE – Aktion Jugendschutz München), Marianne Spann (Kita-Ausschuss-Einrichtung Kindergarten St. Martin), Peter Heider (Vorsitzender der Stiftung FREUNDE)

Lange Wartelisten für Drogenberatung in Justizvollzugsanstalten

MdB Daniela Ludwig bei der Externen Suchtberatung der Diakonie Rosenheim

Rosenheim/Bernau – Illegale Drogen und Suchtprobleme sind auch in den Justizvollzugsanstalten der Region ein Dauerthema. Die Zahl der Klienten in der externen Suchtberatung für Häftlinge hat sich seit 2005 verdoppelt. Die Wartezeit auf ein Beratungsgespräch beträgt derzeit drei bis vier Monate. Das berichteten die Verantwortlichen der Diakonie Rosenheim bei einem Gespräch mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig. „Rund zwei Drittel der Inhaftierten hatten schon einmal oder haben aktuell mit illegalen Drogen Kontakt.“, sagte die zuständige Fachkraft Bianka Schorcht. „Im vergangenen Jahr führten wir über 2.600 Gespräche mit 662 Klienten.“ Für Daniela Ludwig spielt die externe Suchtberatung für die Insassen von Justizvollzugsanstalten eine wichtige Rolle in der Drogenpolitik. „Wir müssen mit allen Mitteln versuchen, diese Menschen auf ihrem Weg in ein straf- und suchtfreies Leben nach der Entlassung zu unterstützen. Es ist ein harter und steiniger Weg. Das geht nur mit einer fachkundigen Beratung und Hilfe während ihrer Haftzeit.“

Die externe Suchtberatung der Diakonie Rosenheim ist für Thematiken rund um illegale Drogen der Justizvollzugsanstalten Bernau, Bad Reichenhall und Traunstein zuständig, die Alkoholthematik wird vom Sozialdienst der JVA abgedeckt. Die Mitarbeitende der externen Suchtberatung haben ihren Arbeitsplatz auf dem Gelände der JVA Bernau und besuchen täglich die Gefangenen. Die Drogenproblematik hat sich auch in JVAen in den letzten Jahren stark verändert. „Die daraus resultierenden psychischen Symptome haben massiv zugenommen und bedürfen ausdifferenzierter Herangehensweisen und Beratungsformen.“, erläuterte der Gesamtleiter der Sozialen Dienste Oberbayern Klaus Voss. „Den klassischen Heroin-Süchtigen gibt es nicht mehr. Aufgrund von nicht klardefinierten Inhaltsstoffen wissen die Häftlinge oft nicht mehr, was sie tatsächlich konsumieren. Die Wirkungen und Folgen davon sind weniger abzusehen als früher – dies kann von Psychosen bis hin zu Depressionen und anderen Symptomatiken führen.“ Bei der Beschaffung von illegalen Substanzen seien die Insassen sehr kreativ und stellen die JVA oft vor große Herausforderungen, „Ein drogenfreier, abstinenter Vollzug innerhalb der JVA kann nicht generiert werden,“ so Schorcht.

Drei weibliche Fachkräfte sind in der externen Suchtberatung in Bernau vor Ort. Sie sind Ansprechpartnerinnen bei Problemen der Häftlinge, beraten und versuchen in Therapien zu vermitteln. „Die Klienten wollen oft ihre Haft verkürzen indem sie eine Therapie antreten. So einfach gestaltet es sich aber nicht, das ist ein schwieriger Weg. Zum einen, weil die gesetzlichen Auslegungsrahmen durch Gerichtsurteile erschwert wurden, zum anderen, weil auch die Kostenträger die Anträge oftmals ablehnen.“

Finanziert wird die Beratung vom Bayrischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. „Die jährlichen Zuschüsse für die Aufrechterhaltung des Angebots reichen nicht aus, um die Personalkosten zu decken, so dass wir jährlich prüfen, ob wir das Angebot weiterhin aufrechterhalten können,“ so Klaus Voss. „Mein dringlicher Wunsch wäre, dass die Förderung zumindest die entstandenen Personal- und Sachkosten für unsere Beratertätigkeit deckt.“ Daniela Ludwig hält das für ein sehr berechtigtes Anliegen. „Drei Fachkräfte für über 1000 Häftlinge – das ist keine üppige Personalausstattung. Die Arbeit ist extrem wichtig und sollte deshalb auch finanziell entsprechend gewürdigt werden.“


Bildhinweis: von links: Fachkraft Bianka Schorcht, Bereichsleiter Maximilian Jaroljmek, Geschäftsbereichsleiterin Kaie Tamm, MdB Daniela Ludwig, Gesamtleiter Soziale Dienste Oberbayern Klaus Voss.Bildhinweis: Raab

„Wir brauchen eine höhere Sensibilität und mehr Aufklärung bei Cannabis“

MdB Daniela Ludwig im kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg am Inn

Wasserburg – Cannabis ist alles andere als ein harmloses Kraut. Gerade bei Jugendlichen kann es zu Psychosen und anderen irreparablen Schäden führen. „Die Legalisierungsdebatte bei Cannabis insofern fragwürdig“, sagte deshalb der Ärztliche Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, Prof. Dr. Peter Zwanzger bei einem Gespräch mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig. „Wir brauchen in Deutschland eine viel höhere Sensibilität und mehr Aufklärung zu diesem Thema. Cannabis muss zum No-Go werden. Besonders bei Jugendlichen gibt es häufig kein Risikobewusstsein. Viele glauben nicht, wie gefährlich der Konsum ist.“

Daniela Ludwig sieht den zunehmend leichten Umgang mit Cannabis ebenfalls als großes Problem. „Deshalb haben wir eine Aufklärungskampagne zu diesem Thema gestartet. Vor allem über Social Media wollen wir Jugendliche erreichen und sie über die gesundheitlichen Risiken aufklären, die gerade in jungen Jahren erheblich sind.“ Zweites großes Thema in der Drogenpolitik sei die rasante Zunahme der neuen psycho-aktiven Stoffe, kurz NPS. „Die Konsumenten beziehen diese synthetischen Drogen vor allem über das Internet. Sie wissen nicht, welche Inhaltsstoffe drin sind, der Markt ist nicht überschaubar, das Risiko schwerwiegender Schäden sehr hoch.“ Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich die Drogenbeauftragte über das Drug-Checking in Tirol informiert. „Erfahrungen dort zeigen, dass man dort aufgrund von Drug-Checking weiß, was auf dem Markt gerade gefragt ist. Und man kann Suchtkranke besser über die Gefährlichkeit der Stoffe aufklären.“
Das kbo-Inn-Salzach-Klinikum verfügt als einzige Klinik im Bereich des Bezirks Oberbayern über einen großen Fachbereich Suchtmedizin. Rund ein Drittel aller Patienten des Psychiatrischen Klinikums sind Suchtkranke. „70 Prozent der Suchtkranken kommen freiwillig“, berichtete die Chefärztin der Suchtmedizin Ruth Höfter. „Das ist eine gute Voraussetzung für einen Therapieerfolg.“ Rund drei Viertel der Patienten sind Männer, ein Viertel Frauen. „Hauptdiagnosen sind Alkohol, Opioide, Cannabis und Sedativa“, so Höfter. Auffallend: Alkoholsüchtige sind mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren deutlich älter als Cannabis-Abhängige. Sie sind im Durchschnitt 27 Jahre alt.
Das Klinikum bietet qualifizierten Entzug mit anschließender psychiatrischer und therapeutischer Behandlung an. „Wir verstehen uns als erste Anlaufstelle für Suchtkranke, die eine stationäre Behandlung benötigen“, so Höfter. Der körperliche Entzug dauert zwischen 3 und 8 Tagen, danach beginnt die intensive psychiatrische Behandlung. Die Patienten haben einen straffen Stundenplan von frühmorgens bis in die Abendstunden. Mit integriert ist auch der Kontakt mit Selbsthilfegruppen und Drogenberatungsstellen. „Hier sind wir in der Region sehr gut aufgestellt. Wir sind bestens mit den Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen vernetzt“, betonte Höfter.
Die Statistiken des Klinikums bezeichnete Daniela Ludwig als beeindruckend. Rund 46 Prozent der Suchtkranken verlassen das Klinikum regulär und brechen die Behandlung nicht ab. „Diese Zahlen sprechen für sich und sind ein Beleg für die ausgezeichnete Arbeit und das medizinisch-therapeutische Konzept der Klinik“, so Ludwig. „Es ist sehr wichtig, dass wir in der Region eine so herausragende Anlaufstelle für Suchtkranke haben.“ Denn dass Sucht eine Krankheit ist, sei bei den meisten in der Gesellschaft noch nicht angekommen. „Viele verstehen nicht, dass Süchtige krank sind. Hier helfen Vorträge oder Belehrungen nicht weiter. Wir müssen Suchtkranke adäquat behandeln und ihnen die Chance auf eine Rückkehr in ein suchtfreies Leben geben. Im kbo-Inn-Salzach-Klinikum finden sie dafür die besten Voraussetzungen.“

Ein bundesweit führender Ort der Hoffnung für Suchtkranke

MdB Daniela Ludwig in der Fachklinik Alpenland in Bad Aibling

Bad Aibling, Lkrs. Rosenheim – Sie hätte eine große Eröffnungsfeier verdient – doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Die neue Fachklinik Alpenland des Deutschen Ordens in Bad Aibling nahm ihren Betrieb ohne Festlichkeiten auf. Dabei gehört sie zu den bundesweit führenden Fachkliniken für Suchtkranke, die illegale Drogen konsumieren. Die Region hat diese Einrichtung nötig. „Die Drogenszene auch im Raum Rosenheim ist heftig“, sagte Chefarzt Dr. Max Braun der Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten und Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig bei einem Gespräch in den neuen Räumlichkeiten.

„Wir haben viele so genannte Polytox-Erkrankte, also Männer und Frauen, die alle möglichen Drogen völlig durcheinander einnehmen. Der reine Heroin-Abhängige ist inzwischen selten. Es sind schlimme Fälle, gerade auch bei jungen Menschen, die mich sehr beschäftigen.“ Das sei auch bundesweit der Trend, bekräftigte Daniela Ludwig. „Partydrogen sind massiv im Kommen. Man kann sie im Internet bestellen – ohne Dealer. Das ist brandgefährlich, weil die Konsumenten gar nicht wissen, was sie sich einwerfen. Dieser Trend ist besorgniserregend.“ Gemeinsam mit Bürgermeister Stephan Schlier und Kurdirektor Thomas Jahn machte sich die heimische Wahlkreisabgeordnete vor Ort ein Bild von der Fachklinik. Diese gehört zu den wenigen Kliniken in Deutschland, die vorwiegend Konsumenten illegaler Drogen die Chance einer Therapie geben.

Sechs Monate bleiben die Rehabilitanden hier. 86 Männer und Frauen werden auf fünf Stationen überwiegend in Einzelzimmern betreut. Die Therapien sind vielfältig. Neben der Sucht- und Psychotherapie können die Suchtkranken in der modernen Schreinerei oder Schlosserei arbeiten, sie können im Garten oder im Verkauf / Büro mithelfen, und das Highlight ist die tiergestützte Therapie mit den Alpakas. „Wichtig ist es, den Menschen wieder eine Tagesstruktur zu geben“, so Dr. Braun. „Das betrifft besonders die jungen Männer auf unserer Station 1, die teilweise auch Probleme mit der Justiz hatten. Für sie gilt oft, entweder hier durchhalten, oder zurück in die Justizvollzugsanstalt zu müssen.“ Für die Suchtkranken steht ein hoch qualifiziertes Fachpersonal bereit – vom Arzt über Psychologen, Suchttherapeuten, Sporttherapeuten bis hin zu Ergotherapeuten, Pflege und Diätassistenten. Während auf Station 3 eher Alkoholkranke und auf Station 4 die Frauen untergebracht sind, wohnen auf Station 2 junge Männer, die neben ihrer Drogenabhängigkeit auch an psychischen Erkrankungen wie Psychosen leiden – oft durch Cannabiskonsum ausgelöst. „Ich erlebe hier Menschen, die durch Cannabis irreparable Gehirnschäden haben“, so Dr. Braun. „Im Alter von 12 bis 22 Jahren reift das Gehirn des Menschen. Cannabiskonsum kann Synapsen im Gehirn schwer beschädigen.“ Als Drogenbeauftragte der Bundesregierung wird Daniela Ludwig nahezu täglich mit dem Thema Cannabis konfrontiert. „Was mir Sorgen bereitet. Die Erstkonsumenten werden immer jünger. Jeder zehnte Cannabiskonsument macht die ersten Erfahrungen mit dieser Droge im Alter von 12 bis 13 Jahren. Die Jugendlichen wissen nicht, was sie sich antun.“ Aus diesem Grund hat Ludwig durchgesetzt, dass die Bundesregierung im August eine groß angelegte Aufklärungskampagne zu Cannabis startet. Sechs Monate haben Ärzte und Therapeuten in der Fachklinik Zeit für ihre Therapien. „Das ist eigentlich zu kurz“, betonte Dr. Braun. „Wir bräuchten zwei Jahre. Da waren wir auch schon mal. Doch durch zahlreiche Gesundheitsreformen wurde die Therapiezeit auf sechs Monate gekürzt.“ Mit Bewerbungstrainings oder Praktika versucht die Klinik, die Rehabilitanden auf ihre Rückkehr ins Leben vorzubereiten. Und die Erfolgsquote? „Die liegt bei 50 Prozent. Die Hälfte hält durch bis zum Schluss“, so der Klinikchef. „Wir wissen aber von der Rentenversicherung, dass von ihnen wiederum die Hälfte nach zwei Jahren immer noch einen sozialversicherungspflichtigen Job hat. Da sehen wir, dass unsere Arbeit Sinn macht. Und das freut mich.“
Daniela Ludwig hält Einrichtungen wie die Fachklinik Alpenland für unersetzlich. „Früher starben Drogenabhängige früh. Heute leben sie dank medizinischer Hilfe viel länger. Die Suchtkranken hier haben noch ein langes Leben vor sich. Wir müssen alles dafür tun, um ihnen die Chance auf ein glückliches und drogenfreies Leben zu geben.“

1.398 Menschen an illegalen Drogen gestorben

Drogenbeauftragte Daniela Ludwig: „Wir brauchen flächendeckende Substitutions- und Hilfsangebote – auch in der Coronakrise“

Berlin – 1.398 Menschen starben 2019 an den Folgen ihres Drogenkonsums. Im Jahr zuvor waren es 1 276. Das ist ein Anstieg von 9,6%. Hauptursache sind, wie in den vergangenen fünf Jahren, Überdosierungen von Opioiden wie Heroin oder Morphin, sowie die Kombination mit anderen Substanzen. Besonders auffällig ist die Zunahme der Todesfälle aufgrund langjährigen Drogenmissbrauchs.

Von 2014 bis 2019 ist die Zahl der Toten auf Grund von Langzeit-schädigungen von 119 auf 318 gestiegen. Der Anteil derjenigen, die auf Grund von Langzeitschädigungen in Kombination mit Intoxikationsfolge starben, stieg im letzten Jahr signifikant von 38 auf 172.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, betonte: „Die Entwicklung der vergangenen Jahre können wir auf keinen Fall hinnehmen! Wir sehen an den Zahlen klar, dass wir Leben nur dann retten können, wenn die Hilfsangebote vor Ort noch besser und vor allem lückenloser werden. Jeder soll die Möglichkeit auf ein gesünderes Leben haben. Deshalb brauchen wir dringend eine noch flächendeckendere Substitutionsversorgung. Auch in der aktuellen Coronakrise dürfen die Substitutionspatienten nicht auf der Strecke bleiben. Es geht jetzt darum, Leben zu retten! Dafür brauchen wir einen gemeinsamen Kraftakt von Bund, Ländern, Kommunen, Suchthilfe, Krankenkassen und Ärzten. Wir brauchen den gesellschaftlichen Konsens, dass Sucht eine schwere Krankheit ist und kein Ausgrenzungsgrund.“

Die Todesfälle auf Grund von Opiatvergiftungen liegen seit Jahren konstant hoch bei 650 Fällen. Seit einigen Jahren gibt es Naloxon, ein Antiopiat, als Nasenspray. Es kann die Wirkungen einer Überdosierung für einige Zeit aufheben und somit kurzfristig Leben retten. Obwohl Naloxon als Spray seit zwei Jahren verschrieben werden kann, ist es in der Szene noch nicht flächendeckend angekommen. Bayern erprobt aktuell in einem Modellprojekt, wie Naloxon besser in Praxis angewendet werden kann. Die Drogenbeauftragte unterstützt dieses Projekt und setzt sich dafür ein, dass die Szene deutschlandweit mit dem lebensrettenden Mittel ausgestattet wird.

Todesfälle durch Kokain, Amphetamine und synthetische Drogen haben in den letzten fünf Jahren von 143 auf 268 zugenommen.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig: „Die Häufung von Todesfällen durch die Einnahme von Koks oder Amphetaminen verdeutlicht, wie wichtig Aufklärung und Beratung auch bei Partydrogen und anderen Aufputschmitteln sind. Wir brauchen passgenaue Projekte für die Partyszene, damit sich die Konsumenten von Kokain, Amphetaminen und Co. der Risiken für ihre Gesundheit bewusst werden.“

Weitere Informationen unter www.drogenbeauftragte.de

Mehr Ärzte für Drogensubstitution in der Region erwünscht

MdB Daniela Ludwig: „Wir brauchen flächendeckendes Angebot“

Wasserburg am Inn – Für viele Süchtige ist sie ein letzter Weg für die Rückkehr in ein „normales“ Leben: Die Therapie mit Drogensubstitution hilft oft, von der Abhängigkeit von Opiaten loszukommen. „Das ist eine der erfolgreichsten medizinischen Therapien überhaupt“, berichtete der Allgemeinarzt Raimund Arnold der Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten und Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig bei einem Gespräch in der „Hausarztpraxis im Burgerfeld“ in Wasserburg. Der Mediziner betreut mit Unterstützung der Allgemeinärztin und Homöopathin Claudia Eisenhut 45 Patienten mit Drogensubstitution. Die Hälfte der Patienten ist voll in die Gesellschaft integriert. „Über 20 Patienten sind berufstätig, haben Familie, und niemand würde es bemerken, dass sie auf Methadon angewiesen sind.“ Nach zahlreichen Gesprächen mit Ärzten und Suchtberatungsstellen weiß Daniela Ludwig, dass es bei der Substitutionstherapie dennoch ein großes Problem gibt. „Wir haben zu wenige Ärzte, die diese Therapie anbieten. Ich wünsche mir, dass wir gerade in ländlichen Regionen ein flächendeckendes Angebot schaffen.“

Diese Forderung können Raimund Arnold und Claudia Eisenhut nur unterstützen. „Wir haben in Stadt und Landkreis Rosenheim zwei Praxen, die diese Art von Substitution anbieten. Nötig wären aber mindestens vier mit insgesamt 100 Plätzen. Wir können keine Substitutionspatienten mehr annehmen.“

Die Allgemeinärzte machen finanzielle Gründe für den Mangel an Substitutionsärzten geltend. „Die Vergütung ist viel zu niedrig. Für einen persönlichen Kontakt sind in der Gebührenordnung gerade einmal 4,28 Euro vorgesehen! Wir müssen mit unseren Patienten Gespräche führen, ihnen Blut- und Urinproben abnehmen und Alkoholkontrollen durchführen. Vergütung und Zeitaufwand stehen in keinem Verhältnis.“ Kein Wunder also, so Arnold, dass bayernweit keine Klinik mehr Drogensubstitution anbietet. „Das ist für Krankenhäuser absolut unwirtschaftlich.“ Dieses Problem müsse gelöst werden, betonte Daniela Ludwig. „Die Gesundheitspolitiker von Union und SPD sehen das Problem. Wir wissen auch, dass die wirtschaftliche Situation der Hausärzte nicht so herausragend ist, wie sie in der Öffentlichkeit oft gesehen wird. Und wir müssen das Gespräch mit den Ärzten suchen.“

Nur jeder Zehnte der Substitutionspatienten in der Hausarztpraxis kommt aus Wasserburg. Die anderen reisen aus Waldkraiburg, Kolbermoor, Feldkirchen-Westerham oder bis aus dem Inntal an. Ein großer Aufwand gerade zu Beginn der Therapie, wenn die Patienten täglich kommen müssen, um sich mit Methadon behandeln zu lassen. Erst nach einem halben Jahr, und wenn sie sich als zuverlässig erwiesen haben, bekommen sie eine Dosis für sechs Tage mit nach Hause, und müssen nur mehr einmal wöchentlich kommen. Zuverlässigkeit und der Wille zur Therapie seien wichtig, betonen beide Ärzte. „Wir kontrollieren ständig, ob die Patienten neben dem Methadon noch Drogen oder Medikamente mit hohem Suchtpotential wie zum Beispiel Benzodiazepine oder Pregabalin einnehmen. Wer das regelmäßig macht, wird von uns nicht mehr behandelt.“ Dass sich viele Ärzte scheuen, Drogensubstitution anzubieten, hat für sie neben den finanziellen Aspekten auch einen anderen Grund. „Es ist ein Imageproblem. Manch ein Mediziner will keine Drogensüchtigen in seinem Wartezimmer haben, weil es anderen Patienten vielleicht unangenehm sein könnte. Wir beugen diesem Problem vor, indem wir täglich eine eigene Sprechstunde nur für Substitutionspatienten anbieten.“

In der Wasserburger Praxis von Raimund Arnold und Claudia Eisenhut gab es noch keine Konflikte. Diese Angst könnte man vielen Ärzten nehmen, wenn das Angebot an Therapieplätzen größer wäre, meint Daniela Ludwig. „Je mehr Ärzte Drogensubstitution anbieten, umso besser könnte man die Plätze in der Fläche verteilen. Ich appelliere deshalb an die Mediziner, sich an dieses Thema heranzuwagen. Bei Drogenabhängigen handelt es sich um Kranke. Die Gesellschaft hat einen Auftrag, diesen Menschen zu helfen.“


Bildhinweis: Von links: Allgemeinärztin und Homöopathin Claudia Eisenhut, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, MdB Daniela Ludwig und Allgemeinarzt Dr. Raimund Arnold.Bildhinweis: Raab