Tourismus in der Region: Große Erfolge und gewaltige Herausforderungen

Tourismuspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Michael Kießling zu Gast in Prien

Prien am Chiemsee – Der Tourismus in Stadt und Landkreis Rosenheim boomt: Gästezahlen und Übernachtungen steigen, und er sichert rund 12.000 Arbeitsplätze in der Region. Trotzdem blicken Hoteliers, Gastronomen und Kommunalpolitiker nicht ohne Sorgen in die Zukunft. Das zeigte sich bei einem Austausch mit dem tourismuspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Michael Kießling in Prien am Chiemsee. Der Tourismusexperte diskutierte auf Einladung der CSU-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern, Daniela Ludwig, mit Verantwortlichen aus der Tourismusbranche über die aktuellen Herausforderungen. „Der Tourismus ist mit seiner wirtschaftlichen Stärke auf Augenhöhe mit dem Maschinenbau in Deutschland“, betonte Kießling. „An ihm hängen 3 Millionen Arbeitsplätze. Wir haben bundesweit 500 Millionen Übernachtungen, davon 100 Millionen in Bayern. Das zeigt schon, wie wichtig diese Branche im Süden ist.“

Daniela Ludwig bezeichnete den Tourismus in der Region Chiemsee-Alpenland als harten Wirtschaftsfaktor. „2024 betrugen die Brutto-Umsätze über 900 Millionen Euro, das ist im Zehn-Jahresvergleich eine Steigerung um 21 Prozent.“  Die Vielfalt der Angebote sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor, so Ludwig. „Einzigartig ist beispielsweise die Chiemsee Schifffahrt. Sie ist ein Familienunternehmen, Teil des ÖPNV, sie versorgt die Chiemsee-Inseln, und transportiert jährlich 900.000 Gäste. Das gibt es nur hier.“  Aus diesem Grund stattete Kießling vor der Diskussion der Chiemsee Schifffahrt einen Besuch ab. Michael Fessler führt den Geschäftsbetrieb in fünfter Generation. „Uns gibt es seit 1805, wir haben 80 Mitarbeiter, vor allem Handwerker.“ Diese bildet die Chiemsee Schifffahrt auch selbst aus. 13 Schiffe stehen für den ganzjährigen Betrieb zur Verfügung.  Mit dem Schiff ging es danach zur Diskussion ins Yachthotel Chiemsee.

Dort wurde schnell deutlich, dass aktuelle Themen wie Bürokratieabbau, Gesundheitsreform und Verkehr auch den Touristikern Sorgen machen. „Wir haben 34 Kliniken in Stadt und Landkreis Rosenheim, das ist mit die größte Klinikdichte in Europa“, sagte Landrat Otto Lederer. „Nach dem vorliegenden Gesetz werden Defizite steigen, auch bei Privatkliniken. Dann werden wir möglicherweise die freiwilligen Leistungen kürzen müssen – und das betrifft den ÖPNV und den Tourismus.“  Auch der Aschauer Bürgermeister Simon Frank ist besorgt. „Wir haben zwei Kliniken im Ort. Hier kommen Angehörige und Eltern für längere Zeit in unsere Gemeinde. Wir brauchen den Gesundheitstourismus.“  Das sieht auch Michael Kießling so. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Gesundheitsversorgung mit Kliniken in den Orten sichergestellt ist. Wir sind hier aber noch im Diskussionsmodus.“

Auch Bürokratie und Baurecht beschäftigen die Touristiker. „Ich darf meine Ferienwohnung maximal drei Monate lang an denselben Gast vermieten“, kritisierte etwa Sabine Bauer von der Anbietergemeinschaft „Urlaub auf dem Bauernhof“. „Ich brauche aber mehr Flexibilität bei der Vermietung.“ Einig waren sich mehrere Teilnehmer der Diskussion, dass das Thema Baurecht im Außenbereich überprüft werden muss. „Das betrifft auch Gewerbe, das aufgegeben wurde und leer steht“, so Landrat Otto Lederer. „Hier könnte man eine neue Nutzung – auch im Sinne des Tourismus – zulassen.“

Große Sorgen bereitet auch die Streckensanierung bei der Deutschen Bahn, insbesondere die geplante mehrmonatige Sperrung der Strecke München- Rosenheim-Salzburg. „Wir brauchen die Touristen, die mit dem Zug vom Flughafen oder vom Hauptbahnhof München kommen“, sagte die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Chiemsee-Alpenland Christina Pfaffinger zu Michael Kießling. „Bitte schneiden Sie uns nicht ab.“  Landrat Otto Lederer versucht, die mehrmonatige Komplettsperre zwischen Rosenheim und München zu verhindern. „Wir wollen das strecken und zumindest einen eingleisigen Betrieb ermöglichen..“

Die Kreisvorsitzende des DEHOGA Bayern, Theresa Albrecht, sorgt sich um den Wettbewerb unter den Hotels. „In unserer Region werden immer mehr Billighotels eröffnet, das verzerrt den Wettbewerb.“

Die Finanzlage der Kommunen beschäftigte vor allem die Bürgermeister. „Wir investieren 5 Millionen Euro, davon können nur zwei Millionen refinanzieren“, sagte der Priener Bürgermeister Andreas Friedrich. Für die Kommunen hatte Michael Kießling eine gute Botschaft: „Wir verdoppeln die Städtebauförderung auf 1,4 Milliarden Euro. Das kommt auch den Gemeinden zugute.“

Daniela Ludwig nahm sich viele Bitten und Anregungen mit nach Berlin – von Digitalisierung über Mindestlohn bis hin zum Thema Visa für ausländische Arbeitskräfte. „Diese Diskussion hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch ist. Wir werden die Diskussion auf jeden Fall fortsetzen.“

 


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